Ferdinand Piëch wurde am 17. April 1937 in Wien als Sohn des Rechtsanwalts Anton Piech und Louise Porsche geboren.
Ferdinand Piëch ist auch der Enkel des Gründers der Sportwagenschmiede Porsche, Ferdinand Porsche. Seine Tochter Louise Porsche heiratete Anton Piëch. Zusammen leiten die Familien Porsche und Piëch das Unternehmen Porsche.
Ferdinand Piëch wuchs in einer wohlhabenden Umgebung auf. Sein Vater war während des Zweiten Weltkrieges Geschäftsführer von Volkswagen.
Piëch studierte nach seinem Schulabschluss Ingenieurwissenschaften an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. 1962 schloss er dort sein Studium mit dem Diplom ab.
Piëch ging zunächst als Ingenieur zur Autoschmiede seines Großvaters nach Stuttgart-Zuffenhausen. Dort begann er als Sachbearbeiter in der Versuchsabteilung zu arbeiten.
Im Jahr 1966 wurde Piëch Leiter der Versuchsabteilung und zwei Jahre später stand er der Entwicklungsbeteilung vor. 1971 wurde Piëch Technischer Geschäftsführer bei Porsche. Im Jahr darauf wechselte er zu Audi NSU Auto Union. Bevor er 1988 zum Vorsitzenden des Vorstandes bei Audi AG, wie sich das Unternehmen zwischenzeitlich umbenannte, berufen wurde, war er in unterschiedlichen leitenden Funktionen tätig.
Bereits bei Audi bewies Piëch seinen erfolgreichen Innovationsgeist hinsichtlich Technik und Verkaufsstrategie. So führte er den permanenten Allradantrieb ein und ließ den effektiven Hightech-Motor TDI entwickeln. Mit diesen und weiteren Maßnahmen verhalf er der Marke Audi zu höherer Akzeptanz und mehr Attraktivität. Aus den Audi-Fahrzeugen schmiedete er Autos der Mittel- bis Oberklasse mit modernster Technologie.
Im Jahr 1992 trat Ferdinand Piëch in den Vorstand der Volkswagen AG ein. Im Jahr darauf berief ihn der Aufsichtsrat zum Vorstandsvorsitzenden der Volkswagen AG. Piëch wurde bei VW zur Führungsperson eines Unternehmens, das Schwierigkeiten hatte, seine Autos abzusetzen. Aber auch Tochterunternehmen wie Seat vermeldeten gravierende Absatzschwierigkeiten. Der Konzern steckte in den roten Zahlen. Um ihn wieder aus der Talsohle herauszuführen, entwarf Piëch eine Produktentwicklungsstrategie, und er reformierte die Modellpolitik. Der neue Chef initiierte eine Mehrmarkenstrategie. Am revolutionärsten war jedoch die Konzentration auf nur noch vier Plattformen für die gesamte Pkw-Flotte.
Durch Piëch wurde der spanische Manager José Ignacio López de Arriortua von General Motors abgeworben, dessen Aufgabe es war, Einsparungen in der Produktion zu erreichen. Das Ergebnis dieser Abwerbung war jedoch eine jahrelange Torpedierung beider Konzerne. Der Vorwurf lautete nach GM, López soll Betriebsgeheimnisse von GM bei seinem Wechsel zu VW preisgegeben haben.
1996 verließ López den VW-Konzern, 1997 wurde der Streit außergerichtlich beigelegt. Volkswagen zahlte für die Einigung 100 Millionen US-Dollar an GM. In Piëchs Handeln sah man keinen Grund zum Vorwurf, er kam daher unbeschadet aus der Affäre.
In technischer Hinsicht wurde unter seiner Verantwortung das 3-Liter-Auto zur Serienreife gebracht. Während seiner Chefzeiten wurde bei VW der höhere Einsatz von Leichtmaterialien wie Aluminium oder Magnesium im Autobau eingeführt. In diese Zeit fällt auch die Innovation der W12- und W18-Zylinder-Motoren. 1997, mit der vierten Modellgeneration von Golf, lag der Autokonzern wieder im Wachstumstrend. Piëchs Reformen griffen und die Volkswagen AG schrieb bald wieder schwarze Zahlen.
Im selben Jahr übernahm Volkswagen auch die englische Edelmarke Bentley und sicherte sich die Markenrechte an Bugatti. Piëch machte aus dem Unternehmen einen der profitabelsten Autohersteller in der Welt. Heute zählen zu dem Weltkonzern Volkswagen AG Marken wie VW, Audi, Seat, Skoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini und Scania — dank Piëchs progressiver Modelloffensive.
Durch seine technischen und wirtschaftlichen Leistungen avancierte Piëch zu einer der bemerkenswertesten und bedeutendsten Persönlichkeiten im Bereich der Fahrzeugkonstruktion. Seine zukunftsträchtigen Ideen von modernster Technik nutzte er für menschenorientierte Vorteile im Alltag.
Dabei zeugt auch die Bandbreite seiner technologischen Gedankenspiele von bemerkenswertem Einfallsreichtum, der sich vom Einliterautos bis zu einem Bugatti mit 1.000 PS erstreckt.
Piëchs Verdienst liegt nicht allein in den technischen Innovationen, sondern ebenso gleichgewichtig im kaufmännischen Management. In dieser Doppelfunktion erst war er ein erfolgreicher und nachhaltiger Sanierer des Volkswagenkonzerns.
Im Jahr 2002 schied Piëch als Vorsitzender aus dem Vorstand von Volkswagen AG aus, um in den Vorsitz des Aufsichtsrats zu wechseln.